Samstag, 19. November 2011

Following the summer part1. Annapurna trekking


27.September 2011 der Startschuss fuer unsere Weltreise ist gefallen. So wie es der Zufall will ist dies zugleich der World-Tourist-Day. Aufgeregt laden wir unser Gepaeck in und auf das Auto. Auf dem Weg zum Flughafen Muenchen ist das Grinsen der Kommunikationsweg Nummer 1. Gedanken schwieren durch den Kopf ob wir alles erledigt haben, was zu erledigen war, und was kommen wird. Es ist ein unbeschreibliches Gefuehl alles zurueck zu lassen. Es ist befreiend, je weiter wir uns von der Heimat entfernen desto leichter werden wir. Jeder weitere Schritt ,den wir in den naechsten eineinhalb Jahren machen, wird sich auf das Jetzt auswirken, wir werden uns keinerlei Gedanken ueber das Morgen  machen muessen ,denn Morgen kommt bestimmt.
In Kathmandu angekommen wurden wir mit Hektik, Freundlichkeit und Laerm begruesst. Es war ein Genuss, in eine andere Welt einzutauchen. Fernab von europaeischen Gepflogenheiten. Die Strassen sind voll mit Leuten, an jeder Ecke will dir jemand etwas verkaufen. Die Autos fahren im nepalischen Fahrstil an uns vorbei, der sich aus Hupen, Hupen und Hupen und nochmal Hupen zusammensetzt. Das Essen ist guenstig gut und (vielleicht) immer frisch zubereitet. Die einheimischen Gerichte wie Dal Phat (Reis mit Sachen), Mo Mo(Teigtaschen), Thukba(Suppe), Chowmain(Nudeln) … schmecken sensationell. Die Nepalis sind freundlich, offen und lustig.
Nach zwei Tagen in Kathmandu machten wir uns auf den Weg nach Pokhara. War allerdings nicht so einfach, wie wir uns das vorgestellt haben. Momentan ist Festivalzeit. Dies bedeutet, dass der Grossteil der Nepalis auf Reisen ist, um seine Familie zu besuchen und das Fest mit ihr zu feiern. Durch die Hilfe von Mailo, einem nepalischen Kayaker, konnten wir einen Platz am Boden eines Busses ergattern. Nach 250km und neun Stunden Fahrt  kamen wir in Pokhara an.
Pokhara ist etwas leiser und nicht so hektisch wie Kathmadu.  Unser Besuch in Pokhara ist eher kurz , am naechsten Tag geht es gleich weiter zu unsrer ersten Mission, dem Trekking. Unser Plan ist es, den wohl bekannten und als schoensten Trek beschriebenen Annapurna Circuit zu machen. Wir werden die Annapurnagruppe umrunden. Wir haben uns 12 Tage eingeraeumt, wieviele Kilometer und Hoehenmeter wir zuruecklegen, steht in den Sternen.

Nach einer strapazioesen und anstrengenden Anfahrt, einer kurzen Nacht, starteten wir in Syangne. Schon am ersten Tag waren wir fasziniert von der Wanderung durch saftiges Gruen begleitet vom reißenden Marsyangdi, der am Tilichosee, dem hoechsten Gebirgssee der Welt, entspringt. Links und rechts stuerzten jede Menge Wasserfaelle dem Talboden entgegen und  zauberten  prachtvolle Regenboegen in die blaue Luft. Die Ungewissheit ist auch mit von der Partie. Wir wissen nicht, wie es uns ergehen wird: Werden wir nach dem ersten Tag schon schlapp machen? Sind wir richtig ausgeruestet? Gehen wir zu schnell oder zu langsam? Wieviele Stunden sollen wir an einem Tag gehen? 
 Nach einem achtstuendigen Marsch schlugen wir unser Lager in Karte auf. Im Nachhinein war dieser Ort ein ganz spezieller, denn hier konnten wir die letzte heiße Dusche genießen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir das Gott sei Dank noch nicht. Auf dem restlichen Trek wurde uns ein Kuebel mit heissem Wasser gereicht. Diese Loesung einer warmen Dusche ist prinzibiell nicht so schlecht, der einzige Haken dabei ist, dass die Kuebel extreme klein sind und sich nur eine Katzenwaesche  ausgeht. 
Am zweiten Tag unseres Treks wanderten wir bis nach Chame. Chame ist ein relativ großes Dorf mit einem sensationellem HOT TAP. Dieser befindet sich direkt am Fluss, so konnte man sich im HOT TAP aufheizen und dann im kalten Fluss abkuehlen. Die Szenerie im allgemeinen war atemberaubend. Das hoechste Gebirge der Welt ragt mit weissen Spitzen dem Himmel entgegen und die saubere Luft fuellt die Lungenfluegel mit Sauerstoff: “Wir sind am Leben!”. Nach diesem erholsamen Abend konnten wir am naechsten Morgen den Weg nach Upper Pisang folgen. Die Gedanken sind frei, wir bewegen uns vorwaerts. Es ist faszinierend mit jedem Schritt, den wir machen, veraendern sich die Berge. Die Schatten zeichnen  mit dem Verlauf der Sonne andere Strukturen in das Massiv. Die Wolken ziehen ueber die Bergspitzen hinweg. Der Tag war schnell vergangen. Der vierte Sonnenaufgang gewaehrte uns einen wolkenlosen Blick auf den 7 937m hohen Annapurna 2. Nach einem ergiebigen Fruehstueck konnten wir, in unseren Augen, eine der schoensten Etappen bewaeltigen. 
Wir wandelten durch einen herbstfarbenen Wald, mehrere Seen und eine vielfaeltige Flora erfreute unsere Sinne. Zugleich führte unser Weg immer weiter nach oben und die Luft wurde immer duenner. Wir merkten dies speziell bei steilen Anstiegen. Ein schneller Schritt wie am ersten Tag war nicht mehr moeglich. Sobald  wir das Tempo erhoehten, wurde uns die Luft knapp. Wir ließen den Tag in Nawal ausklingen. Am Mittag des folgenden Tages erreichten wir Manang. Manang ist das groesste Dorf an unserem Weg. 
Es dient den Trekkern als Akklimatisierungsort. Die meisten Wanderer verbringen einen Tag und eine Nacht in diesem Dorf, um sich an die Hoehe zu gewoehnen. Da uns unsere Route noch zum Tlichosee fuehren sollte und Manang voellig ueberlaufen war, beschlossen wir, nach Kanghsar  aufzubrechen. Der Tilichosee liegt nicht am Weg des Annapurna Ciruit. Drei Tage nahm die Abweichung auf den Sidetrek in Anspruch; drei wundervolle Tage unseres Lebens. Die enorm hohen Gletschermoraenen gaben uns das Gefuehl, am Mond zu sein. 
Es war fantastisch zu sehen, wie der Verlauf der Zeit die Erdoberflaeche formen kann. Der Pfad war nicht ganz ungefaehrlich. Das lose Gestein unter den Fueßen ließ uns manchmal die Balance verlieren, ein Sturz wuerde in tiefen Tiefen enden. Die Nacht im Tilicho-Basecamp war kalt und eine Maus aß unsere ach so kostbaren Nussen. Der kommende Tag sollte uns zum hoechsten Gebirgssee der Welt fuehren. Der Weg war hart fuer mich. Nach der Haelfte des Weges, auf ca. 4500m, fing mein Kopf an zu schmerzen. Die Kopfschmerzen kamen vom niedriegen Luftdruck, der in dieser Hoehe herrscht.  Am See, auf 5000m, angekommen, waren all die Strapazen vergessen. Der Anblick war einzigartig. Der See ist dunkelblau, auf der linken Seite stuerzt ein Gletscher ins Wasser und rechts ist karges steiniges Gebierge zu sehen. Die Landschaft sieht friedlich und tot aus.  Nach einer halben Stunde traten wir den Rueckweg zum Annapurna Circuit an. Auf dem halben Weg nach unten ließen die Kopfschmerzen etwas nach und am naechsten Morgen waren sie verschwunden.
Auf dem Weg nach Yak Kharka konnten wir einen einzigartigen Blick ueber das Tal, welches der Marsyangdi gegraben hat, genießen. Die Luft war so klar, dass wir unsere Gehroute an Hand markanter Punkte, fuenf Tage zuruekverfolgen konnten. Nach einer erholsamen und waermeren Nacht in Yak Kharka beschlossen wir, direkt ins Thorung La High Camp vorzustoßen. So wuerden wir die Passueberquerung fuer eineinhalb Stunden abkuerzen. Der Weg bis nach Thorung Pedi war uns sehr leicht gefallen, denn nach drei Tagen Akklimatiesierung am Tilicho Trek waren wir schon gut an die duenne Luft gewoehnt. Der Weg von Thorung Pedi zum High Camp war mir nicht so leicht gefallen wie meiner Frau.  Mein Kopf schmerzte deutlich mehr als beim Aufstieg zum Tilichosee. 
Im High Camp (4833m) angekommen konnten wir eines der letzten Zimmer ergattern. Einige Trekker mussten im Eßzimmer des High Camps schlafen. Die folgende Nacht war ein Horror fuer uns. Wir konnten fast kein Auge zutun. Sobald wir in den Schlaf gefallen waren, wachten wir mit Atemnot und einem Gefuehl des Erstickens auf. Die Luft war so duenn, dass unsere Koerper im Schlaf nicht genuegend Sauerstoff aufnehmen konnten. Hinzu kamen meine anhaltenden Kopfschmerzen, welche nicht und nicht besser wurden. Um drei Uhr in der Frueh sahen wir uns beide im Bett liegend an und entschieden, sofort ueber den Pass zu gehen. Uns war eine klare Vollmondnacht geschenkt. Also packten wir unsere Sachen und maschierten im Licht des Mondes dem hoechsten Pass der Welt entgegen. 
Es war windstill, wenn wir eine Pause einlegten, um etwas zu verschnaufen ,war es STILL. Man hoerte NICHTS. Je hoeher wir stiegen, desto schlimmer wurden meine Kopfschmerzen. Ich wusste um ihre Usache, deshalb maschierte ich weiter, denn ich wusste auch, dass es auf der anderen Seite wieder nach unten ginge. Den Thorung La Pass (5416m) erreichten wir direkt bei Sonnenaufgang. Es war ein gutes Gefuehl ,waermende Sonnenstrahlen auf der Haut zu spueren und das gefrorene Wasser in unseren Wasserflaschen konnte sich wieder in  den fluessigen Agregatzustand zurueckverwandeln. Nach einem kurzen Fotoshoot gingen wir den Abstieg an. 
Die 1 500 Hoehenmeter nach Muktinath waren kein Hochgenuss fuer die Fueße, doch meinem Kopf taten sie gut. Als wir in Muktinath ankamen, wurden wir beinahe von der Zivilisation erschlagen. Komisch, wieder Laeden mit Lebensmitteln zu finden, auf Autos acht zu geben und normale nepalische Preise fuer eine Mahlzeit zu bezahlen, denn auf dem Trek stiegen die Preise für Essen und Trinken mit der Heohe.
Nun war eine schwere Entscheidung zu treffen. Sollen wir mit dem Jeep nach Jomson fahren oder sollen wir gehen. Nach kurzem Ueberlegen entschieden wir uns fuer den Jeep. Der Gehweg waere ohnehin mit der befahrenen Straße identisch und der starke Wind, welcher dem Kaligandaki heraufblies, wirbelte viel Staub auf, was  das Gehen erschweren wuerde. Nach beinahe zwei Wochen auf den Beinen, waren wir das Wandern gewoehnt. Als wir im Jeep  saßen, realisierten wir, dass das Gehen ein Ende hatte. Erst allmählich und zögernd wolten wir uns wieder vorstellen, Transportmittel in Anspruch  zu nehmen. 
Wir sannen ueber die vergangen Tage nach und ließen die Erlebnisse neu aufleben. Waehrend wir ueber das Erlebte sprachen, kamen wir ganz klar zu dem Schluss, dass der Annapurna Circuit ohne den Abstecher zum  Tilichosee nur halb so aufregend gewesen waere. Wir koennen jedem und jeder nur empfehlen, diesen Trek zu machen und bedanken uns sehr herzlich bei SALEWA fuer die Unterstuetzung, ohne die qualitativ hochwertigen Ausruestung haetten wir den Trek wohl nicht so genießen koennen.

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